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Tag 1 – Die Welt neu zeichnen

Es liegt an uns: Wie wir uns die Welt vorstellen, so sehen wir sie. Um unsere Welt zu verändern, brauchen wir zunächst die Kreativität, sie anders und neu zu denken. Für Kate Raworth ist dieses “Redrawing the world” das mächtigste Werkzeug, um Veränderungen einzuleiten. Und das ist nicht leicht: Veränderungen fordern uns, weil wir nur wissen was wir verlieren – nicht aber, was wir gewinnen.

“Change is hardest just before we make it – because we think we know everything we are about to lose, but we don’t know what we are about to gain. Later, when you find yourself on the other side of change, you ask yourself: Why did it take me so long?”

Als Gesellschaft müssen wir lernen, diesen Sprung viel schneller zu machen. Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse des Eröffnungsabends des Donut Berlin Festivals. In Zusammenarbeit mit dem Arts & Nature Social Club (ANSC) und dem Museum für Naturkunde Berlin hatten wir Kate Raworth (Autorin von Donut Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftssystem, das den Planeten nicht zerstört) und Tino Seghal (Künstler und Ökonom) zu einem Gespräch in den Dinosauriersaal des Naturkundemuseums eingeladen. Dessen Direktor Prof. Johannes Vogel eröffnete die Diskussion – und zeigte neben Kreativität ein weiteres Spielfeld für konsequentes, schnelles und nachdrückliches Handeln: die Natur.

Neue und schnelle Wege, ökonomisches Denken zu verstehen

Kultur und Kunst sind gesellschaftliche Seismographen für Veränderungen. Kate Raworth fordert im Gespräch mit Tino Seghal eine zukunftsfähige Wirtschaft für das 21. Jahrhundert. Und verbindet dies mit der großen Chance, Kultur und Kreativität mit dieser Wirtschaft zu verbinden. Gelingt dies, verstehen Bürger sie oft schneller als Ökonomen. 

“To me that’s the challenge: How do we create economies that thrive without growing endlessly – that is the heart of 21st century economics. And I believe we can bring it to life. I think people in the street will understand it faster than some economists in economics departments and so that is why art and culture and creativity are so essential for making these patterns visible, making them irresistible, and making them real.” 

Gleichzeitig zeigt der Donut die planetaren Grenzen und damit die Rolle der Natur. Und dass diese, worauf Prof. Vogel hinwies, auch für uns als Zukunft wahrgenommen werden muss, damit sie selbst eine Zukunft hat. Es gilt, Verantwortung für die Natur zu übernehmen und zu beachten, was der Planet bereitstellt und wie wir insgesamt regenerativ damit umgehen. 

Zur Klimakrise bemerkte Vogel, dass unser Umgang mit der Klimakrise entscheidend sei, wie wir in Zukunft leben. Unser Umgang mit Biodiversität hingegen sei dafür entscheidend, ob wir in Zukunft überhaupt überleben.

Der Donut, darauf wies Nicole Hartmann von Donut Berlin hin, reiht sich ein in einen größeren Zusammenhang, wie er von einem bei Fridays for Future zu findenden Motto gut charakterisiert wird: “Vielleicht erreichen wir die 1.5 Grad nicht mehr. Aber wir haben uns entschieden, es zu versuchen – und den Weg dahin mit viel Freude zu gestalten.”

Das Event “The Doughnut as a Mindset – A Conversation On How to Redraw the World with Kate Raworth and Tino Sehgal” konnte von 50 geladenen Gästen vor Ort und über einigen Hundert Zuschauer:innen live via Zoom oder im Youtube-Livestream verfolgt werden. Dieses acht minütiges Video vermittelt einen Eindruck der Veranstaltung und in dieser Langfassung kann man die komplette Diskussion mit Kate, Tino und Prof. Vogel wie auch das musikalische Rahmenprogramm von Frida Gold nachschauen.